Google Maps: Crowdsourcing mit Schwächen

Googles Kartendienst ist praktisch. Er bietet neben Straßennamen, Navigationshilfen und Stauwarnungen die Standorte von Unternehmen und Geschäften. Diese Standorteinträge können mit weiteren Details verfeinert werden: Website, Kontaktdaten und Öffnungszeiten. Dass dafür nicht zwingend der Geschäftsinhaber aktiv werden muss, musste nun ein 75jähriger Restaurantbesitzer aus Washington DC erfahren. Der Fall zeigt: An einer aktiven Nutzung von Google Maps führt besser kein Weg mehr vorbei.

WIRED berichtet Anfang Juli von der dramatischen Geschäftsaufgabe Rene Bertagnas, der sein Restaurant „Serbian Crown“ in Washington DC schließen musste. Im Jahr 2012 hatte offenbar jemand ohne sein Wissen einen Eintrag zum Restaurant auf Googles Karte (Google Places) verändert und dort falsche Öffnungszeiten eingetragen. In der Folge gingen die Besucherzahlen am Wochenende, wo normalerweise der Hauptumsatz erzielt wurde, auf ein Viertel zurück.

„Jemand habe Anfang 2012 den Eintrag zu seinem bis dahin beliebten Restaurant auf Google Maps verändert, sagte Bertagna dem Magazin Wired, und dort die Information hinterlegt, das Serbian Crown sei von Samstag bis Montag grundsätzlich geschlossen.“
http://www.zeit.de/digital/internet/2014-07/google-maps-hacken-betrug-konkurrenz

Das Prinzip dahinter ist simpel: Jeder Nutzer darf Informationen aktualisieren. Crowdsourcing soll dazu führen, dass die Einträge bei Google in jedem Fall aktuell gehalten werden. Wenn ein Kunde vor verschlossener Tür steht, kann er den Eintrag ebenso aktualisieren wie der Wettbewerber, der ggf. die aufgeführte Telefonnummer gegen die eigene austauschen mag. Nicht hinter jeder Verfremdung und fehlerhaften Neu-Eintragung eines Unternehmens muss ein unseriöser Mitbewerber stecken. Manchmal reicht es aus, wenn ein Nutzer unbewusst die Inhalte verfälscht: Tippfehler und Verwechslungen können in der Eile schon mal passieren.

Google sollte Änderungen dieser Art grundsätzlich prüfen und Geschäftsinhabern die Qual zu ersparen, prüfen zu müssen, ob die selbst eingepflegten Informationen noch richtig veröffentlicht werden. Das scheint aber nicht in jedem Fall zu funktionieren. Die ZEIT berichtet in Ihrem Artikel davon, dass es auch weiterhin möglich sei, Unternehmenseinträge zu verändern – auch dann, wenn diese Einträge vom Unternehmen selbst angelegt und gepflegt werden. Dazu braucht es allerdings den festen Vorsatz zur Manipulation. Rene Bertagna wird von all dem eventuell nicht einmal etwas mitbekommen haben. Wie wichtig aber das Internet für sein Geschäft war, hat er leider erst feststellen können, als es schon zu spät war.

Der beste Schutz bleibt derzeit: Alle Einträge bei Google zum eigenen Unternehmen selbst verwalten, regelmäßig prüfen und, falls notwendig, korrigieren.