Schützt die Verschleierung von E-Mail-Adressen vor Spam?

Ärgerlich für Besucher von Websites: Auf der Kontaktseite wird der gewünschte Ansprechpartner gefunden und auch seine E-Mailadresse ist genannt, nur leider kann man diese nicht anklicken und somit nicht direkt eine Mail schreiben. Der Website-Betreiber hat sich für eine Verschleierung entschieden und das @-Zeichen durch die Schreibweise (at) ersetzt. Sicherheitshalber hat er auch den Maillink weggelassen. Für den Besucher erschwert das die Kontaktaufnahme. Er muss nun händisch die Adresse in sein Mailprogramm übertragen. Mitunter reicht die Aussicht auf diesen Aufwand, um eine Kontaktaufnahme scheitern zu lassen.

Die Absicht des Webmasters ist klar: Er möchte es Adress-Sammlern erschweren, die veröffentlichten E-Mail-Adressen automatisch auszulesen, die diese später für Spam-Sendungen nutzen. Das Vorhaben ist verständlich, das Ergebnis für den Besucher ärgerlich. Aber wird damit wenigstens das eigentliche Ziel erreicht? Leider nein, denn auch Spam-Versender lernen dazu und haben ihre Webcrawler auf die bekanntesten Mail-Verschleierungen längst vorbereitet:

„Die häufig empfohlene Unicode-Kodierung der Zeichen in der Form &#x61;&#x40;&#98;&#x2e;&#x63; und auch das Ersetzen des @ durch (at), [at] oder ähnlichen stellt für Adresssammler kaum ein Hindernis dar, da beispielsweise der Kommandozeilen-fähige Browser Lynx die Adressen korrekt auslesen (lynx -dump <url> | grep @) bzw. nach verschiedenen Schreibweisen des @ suchen kann.“ http://de.wikipedia.org/wiki/Spam

Natürlich gibt es andere Wege, den Adress-Sammlern die Arbeit zu erschweren. Wirkungsvoll behindern kann man sie aber nur dann, wenn auch die Usability für den Besucher stark gemindert wird. Etabliert ist beispielsweise das Hinterlegen von E-Mail-Adressen in einer Textgrafik ohne weitere Verlinkung. Noch gibt es wohl keine Spam-Crawler, die das systematisch auslesen. Für den Besucher des Internetangebots bleibt aber auch hier nur der Umweg über das eigene Mailprogramm – in diesem Fall sogar mit der zusätzlichen Einschränkung, dass die Adresse abgetippt werden mus, weil sie eben nicht als Text kopiert werden kann. Übrigens bleibt die Mailadresse in Form einer Grafik damit auch für Screenreader unsichtbar. Die Website ist nicht mehr barrierefrei. Menschen mit Sehbehinderung, die sich eine Website vorlesen lassen, wird damit die Kontaktmöglichkeit genommen.